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Griassde, Pfiadde oder Servus, aber bloß nicht Tschüß

Griassde und Pfiade. Ob beim „Griaßgoodsong“ (Grüß-Gott-Sagen, d.h. Begrüßung) oder „Pfiagoodsong“ (Pfia-Gott-Sagen, d.h. Abschied) – daliabe Gott deaf oiwei (immer) dabei sei, wenigsdns de mehra Zeid (meistens). „Griaßgood“ statt „Grüßgott“ signalisiert: Ich rede Mundart. Vornehm wirkt das hauptstädtische „Grüß-Sie-Gott“ bzw. das legere „Griaß Eanagood“ oder „Griaß Eana“. Ist man per Du, lautet der alltägliche Gruß „Griaßde“ oder „Griaßdegood“. An mehrere: „Griaßtseich“, „Griaßtsengg“, zamtdemdaß hier die Grammatik leicht verwackelt ist (auch: Griaßeich, Griaßengg, Griaßenk)Obacht beim „Griaßde“! Neueinwohner greifen es voreilig auf in der Annahme, die Einheimischen seien glücklich, geduzt zu werden. Hingegen passen die Tageszeitgrüße „Guadmoang“ bzw. „Guadmoing“ sowie „Guadnamd“ sowohl zur Sie- als auch zur Du-Anrede. Das vertrauliche „Servus“ setzt wie „Griaßde“ das Du voraus. „Grüßgott“ und „Pfiagott“ sind korrektes Hochdeutsch und passen auch, wenn das Gespräch nicht in der Mundart verläuft. Im Geschäftsleben, am Telefon usw. verdrängen diese südhochdeutschen Formen das oft weniger freundlich wirkende „Guten Tag“ oder „Tag“, obwohl in manchen Gegenden Osterreichs nur „Guten Tag“ bzw. „Tag“ üblich ist.

Meiden Sie das zugewanderte „Tach“. Zuwanderer wollen in „Pfiagott“ (Bfiáddi) ein „ü“ und bevorzugen „Pfüagott“. Geplagt fühlen sie sich oft auch von dem „pf~‘. Das „pf“ ist jedoch ein ehrbarer Sprachlaut. Wer zu einem bayerischen Geistlichen „Fiagott, Herr Farrer“ sagt, ist dennoch vielleicht nicht auf ewig verloren. Im Österreichischen ist „Pfiat Good“ geläufig. Die Ansager von Radio- und FS-Sendungen verabschieden sich gern mit diesem Gruß.

Niemanden ist verwehrt, auf „Behüt-Sie-Gott“ und „Behüt-Dich-Gott“ auszuweichen. Die Kinder sagen dann schon „Bhütdich“ und die Enkel wieder „Pfiadde“. Die Sprache möchte sich dawei (Zeit) lassen wie die Natur. Wir tun gut daran, beide als Kostbarkeiten zu hüten.«

Quelle: Auszug aus dem Buch von  Prof. Johann Höfer, der „Erzengel der Mundart“ (1925 – 1999)

Tschüß. Der Bayer spitzt also seinen Mund höchstens zum Trinken und zum Bussln, nicht aber um ein „ü“ zu sprechen, und deswegen geht ihm auch das „Tschüß“ so zögernd über die Lippen. Vielleicht sollte er deshalb in Anlehnung an die aufgeführten Beispiele statt „Tschüß“ in Zukunft „Tschiß“ sagen oder „Tschiaß“ oder „Tschuaß“ oder gar „Tscheaß“..
Da kommt wirklich nur ein Ersatzwort in Frage.
Wie wär s mit „Pfiat di“ oder „Servus“?

Beispiele:

Hochdeutsch üBayerisch u
drückendrugga
MückeMuggn
hüpfenhupfa
BrückeBrugg
Hochdeutsch üBayerisch i
SchüsselSchissl
KrüppelGribbe
DübelDiwe
MünchenMinga
BüffelBiffe
TüftlerDifdla
StrümpfeSchdrimpf
HütteHiddn
müdemiad
HosentürchenHosndial
KüheKiah
süßsiaß
FüßeFiaß
gemütlichgmiatddlich
SchürzeSchiazl

Quelle: http://www.patrickwagner.de

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